Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage

Im Herbst 2014 beschlossen wir im Kollegium der KGS Bad Münder, uns um Aufnahme und Zertifizierung in das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ (SOR – SMC) zu bewerben. Es handelt sich dabei um ein bundesweites Projekt des Vereins Aktion Courage e.V. und wurde im Juni 1995 ins Leben gerufen. Zunächst ausschließlich unter dem Namen „Schule ohne Rassismus“ geführt, wurde es 2001 um den Zusatz „ Schule mit Courage“ in der Beschreibung erweitert.

Das Projekt wird nur nach den vom Trägerverein entwickelten Kriterien umgesetzt. Es beinhaltet ein bundesweites Initiativprojekt, welches von Schülerinnen und Schülern mit Unterstützung des Kollegiums getragen und durchgeführt wird.

Das Projekt „SOR – SMC“ bietet die Möglichkeit, das Klima an einer Schule aktiv mitzugestalten und ist ein großes Schulnetzwerk in Deutschland mit rund 1500 teilnehmenden Schulen. Es  wendet sich gegen jede Form von Diskriminierung z.B. aufgrund der Religion, sozialen Herkunft, des Geschlechts, der politischen Weltanschauung, körperlicher Merkmale oder der sexuellen Orientierung. Schwerpunkt liegt insbesondere auf dem Bereich Rassismus.

Jede Schule kann dabei dem Projekt beitreten, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllt:

  • Unterschriften von mindestens 70% aller in der Schule arbeitenden und lernenden Personen, d.h. Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden benötigt.
  • Eine prominente Patin oder ein prominenter Pate, eine Person aus den Bereichen Kunst, Politik, Medien oder Sport, soll sich für die Schule einsetzen und das Projekt öffentlichkeitswirksam unterstützen. Die Patin oder der Pate begleitet dabei das Projekt dauerhaft und ist am Tag der Titelübergabe in der Schule anwesend.
  • Die Schule führt eine Projektwoche zu dem Thema durch und setzt sich dauerhaft mit dem Thema auseinander.

Auf mehreren Dienstbesprechungen und Gesamtkonferenzen besprachen und planten wir im Kollegium gemeinschaftlich das weitere Vorgehen. Es fand sich eine große Unterstützergruppe von Schulleitung und Kollegium, die bereit waren, an diesem Projekt aktiv mitzuarbeiten.  Eltern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren ebenfalls informiert und aktiv dabei, dieses wichtige Anliegen zu begleiten und mitzugestalten. Es wurden Infoveranstaltungen von Frau Sievers (Schulsozialpädagogin) und Frau Dahmann (Beratungslehrerin an der KGS Bad Münder) für die gesamte Schülerschaft durchgeführt; dabei erklärten sich über 100 Schülerinnen und Schüler dazu bereit, innerhalb von Kleingruppen das Projekt aktiv zu initiieren. Es kristallisierten sich Gruppen heraus mit den Themen:

  • Prominentensuche
  • Verkaufsgruppe für das Schulfest im Juli 2014
  • Unterschriftengruppe
  • Gestaltungsgruppe
  • Dokumentationsgruppe

Die Schülerinnen und Schüler trafen sich freiwillig nach dem Unterricht, um mit Unterstützung der jeweiligen Lehrkräfte oder der Sozialpädagogin die Planung und Durchführung voranzubringen.

Zu was verpflichtet sich eine SOR – SMC Schule?

  • Es soll zentrale Aufgabe unserer Schule werden, sich nachhaltig und langfristig um Projekte, Aktivitäten und Initiativen zu kümmern, um Diskriminierung, insbesondere Rassismus, zu überwinden.
  • Wenn an unserer Schule Gewalt, diskriminierende Äußerungen oder Handlungen ausgeübt werden, wende ich mich dagegen und setze mich dafür ein, dass wir in einer offenen Auseinandersetzung mit einem Problem gemeinsam Wege finden, zukünftig einander zu achten.
  • Ich setze mich dafür ein, dass an meiner Schule einmal pro Jahr ein Projekt zum Thema Diskriminierung durchgeführt wird, um langfristig gegen jegliche Form von Unterdrückung, insbesondere Rassismus, vorzugehen.

Im März 2015 führten wir im Kollegium in allen SOLE Stunden ( Soziales Lernen) Unterricht zum Thema Rassismusvermeidung durch, parallel zu den “ Internationalen Wochen gegen Rassismus“. Material dazu wurde von Frau Sievers und Frau Dahmann zur Verfügung gestellt.

Im Juli 2015 fand in unserer Schule zum „Fest der Nationen“statt, in welcher wir uns mit dem Thema Antirassismus übergreifend auseinandersetzten und Informationen über verschiedene Kulturen und Länder darboten. Das gesamte Kollegium, Elternschaft, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie natürlich alle Schülerinnen und Schüler waren aktiv dabei. Dabei gab es auch mehrere Workshops  mit verschiedenen Moderatoren wie mit dem Pro Asyl Referenten Pierrot Raschdorf, initiiert von der Lehrerin Dr. Maike Behrends sowie mit dem bundesweit bekannten Rapper und Antirassismuscoach Martin Rietsch, initiiert von der Lehrerin Kerstin Rieke – Herbold und dem Lehrer Burghardt Rittler. Martin Rietsch konnte als prominenter Pate für unser Projekt gewonnen werden.

Kurz vor den Sommerferien bekamen wir die Info, dass unsere Bewerbung um Zertifizierung erfolgreich war, da wir alle Kriterien, einschließlich der Unterschriftensammlung, erreicht hatten. Wir dürfen nun den Titel „Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage“ im Titel führen und erhalten ein Metallschild zum Selbstkostenpreis. Wichtig ist, das Zertifikat ist keine Auszeichnung und kein Preis im herkömmlichen Sinn, sondern eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und Zukunft. Courage – Schulen sagen: Wir übernehmen Verantwortung für das Klima an unserer Schule, indem wir uns bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, des Mobbings und der Gewalt verpflichten.

Und es geht weiter:

Im Zuge der Flüchtlingsproblematik übernehmen im Schuljahr 2015/2016 viele Kolleginnen und Kollegen freiwillig zusätzlichen Unterricht im Bereich Deutsch als Zweitsprache für Flüchtlinge an unserer Schule, es gibt Schülerinnen und Schüler, die sich nachmittags freiwillig für Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften einsetzen, es gibt eine Lehrer AG, die sich damit beschäftigt, wie das Projekt weiter in unser Leitbild implementiert werden kann und eine Schülergruppe, die weiter mit neuen Projektideen beschäftigt ist.

Während dieser Artikel geschrieben wurde, ereigneten sich die schrecklichen Terroranschläge in Paris. Auch hier wollen wir an unserer Schule reagieren und mit den Schülern weitere  Möglichkeiten erörtern, um im Sinne eines Zusammenlebens in Toleranz und Frieden unsere Gemeinschaft zu festigen.

Verfasst von Martina Dahmann, Beratungslehrerin an der KGS Bad Münder

November 2015

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